Tagesdaten
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Datum Sa 02.09.06, 10:35-19:56
Strecke Konstanz - Gailingen - Büsingen - Schaffhausen - Rafz - Hohentengen
  gesamt gefahren
Zeit 09:21:03 06:08:16
Schnitt 8,88 km/h 13,53 km/h
km/Vmax 83,06 km 34 km/h
Wetter 0-3 bft W, bis 13,5 km/h
19,6°-30,8°, sonnig, wenige Wolken
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Meine TourenDeutschland ’06Sa, 02. September ’06

Planwagentour durch Deutschland, 18. Tag

02.09.06, Konstanz - Hohentengen

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Constanze und Phillip

Aufnahmestandort:
N 47° 40′ 29.71″, O 9° 12′ 31.77″
Constanze und Phillip

Der Campingplatz in Konstanz externer Link war seinen Preis nicht wert. Vor allem die Duschen, es gibt gar keine einzelnen Duschen, sondern nur eine große Gemeinschaftsdusche. Ansonsten ging es aber.
Entschädigt wurde ich durch meine Zeltnachbarn. Constanze und Philipp(?), ein recht ungleiches Paar. Die beiden trennt wohl etwa 20 Jahre, aber sie haben etwas gemeinsam vor, nämlich den Jakobsweg externer Link zu laufen. Dieses Jahr waren sie zu Fuß von Ulm über Biberach hierher gelangt. Den weiteren Weg wollen sie in den nächsten Jahren ablaufen. Respekt!

Es wurde also ziemlich spät gestern abend, denn ich saß mit den beiden und einem weiteren Camper noch bis nach Mitternacht zusammen. Trotzdem kam ich heute morgen recht früh und gut ausgeschlafen aus dem Bett. Duschen, frühstücken und fertigmachen war dann auch schnell erledigt. Das ich trotzdem erst gegen halb elf loskam lag daran, daß ich mich mit den beiden noch mal festgequatscht habe. Aber was soll’s, nette Kontakte sind wichtiger als Kilometer schinden.

Aber Kilometer mußte ich nun mal auch gut­machen, denn ich wollte bzw. mußte ja in drei Tagen in Freiburg sein. Geplant waren für diese Strecke eigentlich vier Tage, aber mit relativ kurzen Tagesetappen. Es könnte also durchaus klappen.

Erstmals wurde ich dann schon nach wenigen hundert Meter aufgehalten, als ich mich unvermittelt in dem Besucherstrom eines Rockkonzertes wiederfand, welches wohl in diesen Tagen in Konstanz stattfand. Somit hatte das erste Schiebestück nichts mit einer Steigung zu tun. Zum Glück kam ich aber unbeschadet durch die Mengen und machte mich auf in Richtung schweizer Grenze.

Ich bin in der Schweiz

Aufnahmestandort:
N 47° 39′ 46.23″, O 9° 9′ 32.6″
Ich bin in der Schweiz

Der Grenzübertritt war etwas ganz Besonderes, denn es geschah … nichts! Die Grenzbeamten winkten mich gelangweilt durch und würdigten mich keines besonderen Blickes. Ich hatte ja alles erwartet. Gründliche Durchsuchung des Wagens, irgendeine Form des Erstaunens oder sogar einen zollstock­­bewaffneten Grenzer der ermittelt, ob ich mit dem Ding überhaupt in die Schweiz einreisen dürfte. Aber diese Reaktionslosigkeit kam dann völlig überraschend. Als wäre es das normalste der Welt, das jemand mit Hollandrad und Planwagen die Grenze passiert.

Schweizer Radwege

Aufnahmestandort:
N 47° 39′ 53.52″, O 9° 9′ 8.37″
Schweizer Radwege

Nun gut, es kamen ja noch ein paar Grenzübertritte. Insgesamt würde mich mein Weg fünf mal in die Schweiz rein und wieder heraus führen. Zuerst mal ging es aber gemütlich flach entlang des Untersees weiter. Und das auf sehr schönen Radwegen, wie ich sie in der Schweiz gar nicht erwartet hatte. Zwar war der Weg auf langen Stücken nicht asphaltiert, aber der Belag war schön fest und nur mit einer ganz feinen Schotterschicht versehen. Warum können nicht alle Radwege so schön sein?

Auch das Streckenprofil war überraschend für mich. Es war meistens schön flach, also genau das Gegenteil von dem, was man in der Schweiz erwartet. Um es gleich vorweg zu nehmen, das sollte bis Basel zur Regel werden, daß die Abschnitte innerhalb der Schweiz meistens flach waren, dafür aber die Abschnitte auf deutscher Seite umso bergiger.

Auch eine Art der Fortbewegung

Aufnahmestandort:
N 47° 39′ 48.33″, O 9° 6′ 38.76″
Auch eine Art der Fortbewegung

Bis Stein am Rhein zumindest ging es sehr gut. Lediglich das letzte Stück ab Steckborn war etwas hügeliger, aber auch nicht so schlimm wie ich es befürchtet hatte. Schweiß hatte ich trotzdem auf der Stirn, daß kam aber von dem tollen Sonnenscheinwetter und den Temperaturen bis über 30°.

Auch die Ausschilderung der schweizer Radwege war meist vorbildlich. Nur einmal, in Gottlieben, waren die Schilder etwas verwirrend aufgestellt, so daß ich ein paar Meter falsch fuhr. Ansonsten kann ich aber nur sagen: die ersten Kilometer in der Schweiz haben richtig Spaß gemacht. Wenn es so bleibt, dann komme ich locker in drei Tagen nach Freiburg.

Viel zu flach für die Schweiz

Aufnahmestandort:
N 47° 38′ 32.64″, O 8° 54′ 31.17″
Viel zu flach für die Schweiz

Geblieben ist es, wie soll es auch anders sein, nicht so. In Stein am Rhein wechselte ich wieder auf die andere Rheinseite. Wer weiß, vielleicht wäre es besser gewesen, auf der linken Seite zu bleiben. Auf jeden Fall wurde es nun deutlich hügeliger. Richtig steil wurde es nach wenigen Kilometern, wo ich mich auf einem Waldweg wieder der Grenze näherte. Dort war dann mal wieder kräftig schieben angesagt.

Die Grenze selbst besteht an dieser Stelle nur aus einem offenen Schlagbaum und dem Hinweisschild, daß nur Wanderer und Radfahrer die Grenze hier passieren dürften. Also auch wieder keine Grenzkontrolle. Na ja, bei der nächsten vielleicht.
Und die nächste Grenze lies auch nicht lange auf sich warten. Schon nach wenigen Kilometern ging es genauso unspektakulär wieder in die Schweiz hinein. Die darauf folgende Grenze ist irgendwie keine wirkliche Grenze, denn es geht hinein nach Büsingen. Büsingen gehört zwar offiziell zu Deutschland, genauer zum Landkreis Konstanz. Aber der Ort liegt komplett in der Schweiz. Dort gelten auch einige Sonderbestimmungen, die Büsingen fast mehr zu einem schweizerischen als zu einem deutschen Ort machen.

Stein am Rhein

Aufnahmestandort:
N 47° 39′ 23.6″, O 8° 51′ 38.87″
Stein am Rhein

Hinter Büsingen geht es auch gleich wieder in die Schweiz hinein und direkt nach Schaffhausen. Die Rheinfälle externer Link wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Hätte ich gewußt, was das an Gefälle und Steigungen bedeutet, hätte ich mir das vielleicht noch mal überlegt. Durch Schaffhausen selbst geht es noch sehr gemütlich meist am Rheinufer entlang. Zum ersten Mal recht steil geht es nach Neuhausen rein, wo ja der Rheinfall liegt. In Neuhausen geht es dann irgendwann zum Rheinfall hinunter. Und das nicht zu knapp. Über 10% steil ist das Gefälle. Kaum war ich auf dem Gefällstück, gab es eigentlich kein umkehren mehr. Ich befürchtete schon schlimmes, denn aus diesem Loch würde ich ja irgendwie auch wieder rauskommen müssen.

Belohnt wurde ich aber erstmal durch den Rheinfall selbst. Es ist schon ein gewaltiges Schauspiel, wie diese Wassermassen über die Felsen rauschen. Natürlich wurde bei dieser Gelegenheit gleich eine ausgiebige Pause gemacht.

Nochmal Stein am Rhein

Aufnahmestandort:
N 47° 39′ 31.91″, O 8° 51′ 33.89″
Nochmal Stein am Rhein

Gegen 17 Uhr fuhr ich dann aber doch weiter. Schließlich war heute Samstag und ich würde noch etwas einkaufen müssen für morgen. Und da ich keine Franken dabei hatte, wollte ich den Einkauf möglichst in Deutschland erledigen. Dort mußte ich aber erst mal hinkommen, was sich als gar nicht so einfach erwies.

So steil es nämlich auf der einen Seite in’s Rheinfallbecken hineingegangen war, so steil ging es auf der anderen Seite auch wieder raus. Über 10% bedeutete natürlich wieder kräftig schieben, und das auf einer Strecke von über 1,5 Kilometern. Und damit nicht genug, ich mußte mich natürlich auch noch mal verfahren. Auf halber Strecke nach oben befand sich ein Wegweiser zum Rheinradweg externer Link, dem ich bereitwillig folgte. Ging es doch wieder runter zum Rhein. Nur das es unten nicht am Rhein weiter ging, sondern über eine Brücke auf die andere Seite. Und dort auf der anderen Seite ging es über einen holprigen Waldweg wieder steil nach oben. Also wieder zurück und die ganze Schieberei ging von vorne los.

Auch das ist ein Grenzübergang

Aufnahmestandort:
N 47° 40′ 48.55″, O 8° 47′ 36.96″
Auch das ist ein Grenzübergang

Endlich oben angekommen hatte ich dann auch die letzte Grenzstation für heute erreicht. Diesesmal sogar richtig mit Grenzhäuschen. Allerdings, am Wochenende ist dort niemand und man kann einfach durchfahren. Zum Glück wurde es nun auch wieder deutlich flacher. Nur war es mittlerweile recht spät geworden und es war zu befürchten, daß ich kein offenes Geschäft mehr finden würde. In diesem Fall müsste ich mich an einer Tankstelle mit dem notwendigsten eindecken, was ich allein aufgrund der Preise nur sehr ungern tue.

Tatsächlich fand ich den nächsten Laden erst in Jestetten, da war es gerade 2 Minuten nach 18 Uhr. Aber, der Laden hatte doch tatsächlich auch samstags bis 20 Uhr auf, womit ich in einem so kleinen Ort wirklich nicht gerechnet hatte. Bei uns in der Gegend machen die Läden in kleineren Orten Samstags meist schon mittags zu.

Rheinfall von oben …

Aufnahmestandort:
N 47° 40′ 43.35″, O 8° 36′ 57.34″
Rheinfall von oben …

Ich kaufte also ausreichend Lebensmittel und Getränke für den Sonntag ein und machte mich wieder auf den Weg. Ein paar Kilometer wollte ich heute auf jeden Fall noch schaffen. Und da ich nicht in der Schweiz wild campen wollte, hatte ich nur die Wahl, entweder gleich kurz hinter Jestetten zu übernachten, oder das nächste Stück durch die Schweiz komplett zu fahren und in Hohentengen einen Platz suchen. Ich entschied mich für letzeres.

In Hüntwangen gab es dann mal wieder ein sehr einfallsreiches Hindernis in Form einer Baustelle. Die Baustelle war gar nicht auf meinem Weg, sondern auf einer Straße, die ich nur überqueren wollte. Allerdings war das ganze so abgesperrt, daß man selbst mit einem Fahrrad ohne Anhänger nicht durchkonnte, ohne das Rad zu tragen. An mehreren Stellen gelang es mir nicht, die Straße zu überqueren. Erst im dritten Anlauf fand ich eine Stelle, wo ich mit Mühe und Not die Straße überqueren konnte. Und das auch nur, nachdem ich Teile der Absperrung abgebaut habe. Ich habe sie natürlich hinterher auch wieder aufgebaut.

… und von unten

Aufnahmestandort:
N 47° 40′ 45.52″, O 8° 36′ 43.82″
… und von unten

Einen Schlafplatz fand ich dann kurz hinter Hohentengen, allerdings direkt an einem Parkplatz an der Bundesstraße. Es war einfach schon zu spät, um noch lange nach einem geeigneteren Platz zu suchen. Der Platz stellte sich aber als gar nicht so schlecht heraus, zumindest war auf der Straße nicht viel Verkehr, so daß ich schon meine Ruhe bekommen würde.

Insgesamt hatte ich also heute ein richtig gutes Stück geschafft. Und das, obwohl ich erst recht spät losgekommen war und der Weg stellenweise sehr anspruchsvoll war. Die 1.200 Kilometer mit dem Planwagen machen sich eben bemerkbar. Ich bin mittlerweile richtig fit und kann teilweise noch Steigungen fließend hochfahren, die ich zu Anfang meiner Tour hätte schieben müssen.


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